Historische Damenunterwäsche und ein zweihundert Jahre altes Kegelspiel

Historische Damenunterwäsche und ein zweihundert Jahre altes Kegelspiel

14. Dezember 2019 Aus Von Anne Gorski
Was wir für unser kulturelles Erbe in den Museumssammlungen tun können

Wie funktioniert Sammeln in der Praxis? Welchen Stellenwert hat die Sammlung für ein Museum? Wie werden die Objekte aus der Sammlung aufbewahrt? Und welche Abläufe gehören zu einer Inventarisierung?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen sind wir Studierende des Masterstudiengangs Kulturanthropologie/Volkskunde der WWU Münster ins Städtische Museum Lippstadt gekommen. Zuvor hatten wir uns bereits mit der Sammlungskonzeption der Lippstädter Museumsleiterin Dr. Christine Schönebeck beschäftigt. Auch über die Pläne für den Neubau eines Depots (Nachnutzung eines bestehenden historischen Gebäudes), der durch den LWL gefördert wird, waren wir bestens informiert. Unseren ersten Besuch in Lippstadt wollten wir aber dazu nutzen, die derzeitige räumliche Situation des Museums, seine Sammlung und ihre Unterbringung kennenzulernen.

Diesbezüglich erwarteten uns einige Überraschungen: Zum einen hätten wir nicht gedacht, dass es so viele bemerkenswerte und kulturhistorisch einzigartige Stücke in der Sammlung gibt. Zum anderen waren wir auch überrascht, wie schnell sich Entdeckerfreude einstellte, wenn beispielsweise in einem Regal ein Kegelspiel und ein Spielzeug aus dem 18. Jahrhundert auftauchten oder die Paradestücke der umfangreichen Textilsammlung gezeigt wurden.

Was zu einer wissenschaftlichen Inventarisierung gehört und wie aufwendig diese ist, das hat uns die wissenschaftliche Volontärin des Museums, Rashida Hussein-Oglü, eindrücklich vor Augen geführt. Der Nutzen der entsprechenden Software hängt ja davon ab, dass die eingegebenen Daten möglichst vollständig und informativ sind. Hinter jedem Eintrag steckt eine Menge Fach- und Sachkenntnis, das ist uns schnell klargeworden.

Der exklusive Einblick in das Depot, das dem Besucher eines Museums normalerweise verwehrt bleibt, war besonders spannend und aufschlussreich. Die Besichtigung des derzeitigen Depots veranschaulichte nicht nur die Vielfalt der Sammlung, sondern auch die Grenzen der Räume und entsprechend auch die Grenzen des Sammelns. Auf dem sich bereits wölbenden Boden, der unmittelbar über der bemerkenswerten historischen Stuckdecke liegt, die das Herzstück der zweiten Etage bildet, offenbarten sich viel Schätze, deren Unterbringung und Verpackung nicht als fach- und sachgerecht bezeichnet werden kann. Durch das neue Sammlungskonzept und den Depot-Bau eröffnet sich hier die Chance endlich nach allen Regeln der praktischen Museumsarbeit zu verwahren. Auf dem Dachboden des Museums ist uns erst klargeworden, wie wichtig und richtig der Einsatz des Museumsdepots für den Erhalt der einzigartigen Kulturgüter ist: In einer Ausstellung kann man letztlich ja nur das, was erhalten ist, zeigen. Und um Objekte aus Stoff, Papier oder gemischtem Material über die Zeit zu retten, dazu bedarf es eines fundierten Fachwissens.

Die Museumsleiterin, Dr. Christine Schönebeck, und die wissenschaftliche Volontärin, Rashida Hussein-Oglü, haben uns spannende Einblicke in die Museumssammlung verschafft und mit einem oft gehörten Vorurteil aufgeräumt: Im Museum geht es zunächst einmal ums Sammeln, Bewahren und Forschen. Auf der Arbeit, die aus diesen drei Gebieten geleistet wird, fußen all die schönen und spannenden Ausstellungen, die die Besucherinnen und Besucher im Laufe der Zeit zu sehen bekommen.

Für den Januar haben wir uns noch einmal in Lippstadt angemeldet. Dann soll es in das neue Depot gehen, das gerade, weil es noch nicht bezugsfertig, unsere Fantasie als künftige Museumsfachkräfte anregen dürfte. Wer weiß: Vielleicht findet sich ja doch noch ein Plätzchen für eine kleine Schausammlung, die den Lippstädtern vor Augen führt, welche Schätze im Depot über die Zeit gerettet werden?

Dieser Beitrag wurde von Anna Blumin, Marid Ramforth, Ann-Kathrin Holler und Karen Vogelsang verfasst – vielen Dank an dieser Stelle.