Artist(s) in Residence
Artist(s) in Residence fördert Künstlerinnen und Künstler, die sich künstlerisch mit Lippstadt auseinandersetzen
2026 stehen die Stadtteile Esbeck, Bökenförde, Bad Waldliesborn und Eickelborn im Mittelpunkt. An jeweils einem Wochenende entstehen dort ortsspezifische künstlerische Projekte im öffentlichen Raum. Die Arbeiten sind interaktiv, performativ oder skulptural und treten in einen unmittelbaren Dialog mit ihrem jeweiligen Umfeld.
1. Lippstadt-Esbeck
Frank Bölter | BIS ZUM ENDE DER WELT
SA, 12. SEPT 2026
Start: Lippstadt-Esbeck, Schambrede / Lippeufer
Ziel: Bootshaus WSC Lippstadt e.V., Esbecker Straße 1, 59557 Lippstadt
„Bis zum Ende der Welt“ ist eine Performance und temporäre Installation des Kölner Künstlers Frank Bölter (geb. 1969 in Lippstadt). Mit Unterstützung des WSC Lippstadt e. V. wurde ein 9 Meter großes Papierboot gefaltet, das in Esbeck auf der Lippe zu Wasser gelassen wurde. Der Künstler fuhr auf diesem fragilen Wasserfahrzeug in Begleitung einer kleinen Flotte des WSC zum Bootshaus, wo das Papierboot als temporäre Installation bis Oktober ausgestellt bleibt.
© Sandra Püttmann


2. Lippstadt-Bökenförde
Angelika Höger | ERSCHEINEN
Eröffnung: FR, 18. SEPT, 17 Uhr
Offene Workshops mit der Künstlerin: SA/SO, 19./20. SEPT,
jeweils 14 - 17 Uhr, zur Besichtigung durchgehend geöffnet
Ort: Wallfahrtskapelle Brünneken, Liebfrauenweg, 59558 Lippstadt
Die Bielefelder Künstlerin Angelika Höger entwickelt in Kooperation mit der katholischen Kirchengemeinde St. Dionysius Bökenförde im Park der Wallfahrtskapelle „Brünneken“ einen Kunst-Garten mit Alltagsgegenständen, die zweckentfremdet eine neue Bedeutung annehmen, die klingen, leuchten, verzaubern. Bewegung, Raum und Sound spielen in ihren Installationen eine wichtige Rolle, in denen die Dinge oftmals wie von Zauberhand in Bewegung versetzt werden. Die Installation der Künstlerin ist ab Freitagabend zu sehen und wird während der Workshops durch gemeinsam gestaltete Teile ergänzt.
© Angelika Höger

3. Lippstadt-Bad Waldliesborn
Frank Schulte | SPHERES
Eröffnung: FR, 9. OKT, 19 Uhr | Workshop: 16 - 19 Uhr
Ausstellungszeiten: SA/SO, 10./11. OKT. 2026, jeweils 14 – 20 Uhr
Ort: Kurpark Bad Waldliesborn, Parkstraße 19, 59556 Lippstadt
Der Kölner Klang- und Medienkünstler Frank Schulte verbindet installative Arbeiten mit interaktiven, kommunikativen Elementen. Für seine Ausstellung „circle of fire“ (2025) entwickelte Schulte runde „Globen“ aus Naturmaterialien, in denen sich Lautsprecher und Lichtelemente befanden. Der Kurpark Bad Waldliesborn (in der Nähe des „Nebelwegs“) wird mit Klang- und Lichtelementen zu einem künstlerischen Erfahrungsraum: Die Objekte werden freitags gemeinsam gebaut. Klänge aus unmittelbarer Umgebung werden zu einer Klanginstallation verarbeitet. Das geheimnisvolle Licht macht die Installation in den Abendstunden zu einer Art Zaubergarten.
© Alexander Keul

4. Lippstadt-Eickelborn
Gudrun Barenbrock | VOM PARADIES
Eröffnung: FR, 30. OKT, 18 Uhr
Öffnungszeiten: SA/SO, 31. OKT. / 1. NOV., jeweils 17 – 21 Uhr
Ort: Ehm. Evangelische Kirche, Eickelbornstraße 19, 59556 Lippstadt
In Lippstadt-Eickelborn befindet sich das LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt. Neben diesem Gelände befindet sich die dauerhaft geschlossene Evangelische Kirche, eingeweiht 1927 und bekannt für die zeitgenössischen Glasmalereien von Theo M. Landmann (1903–1978). Gudrun Barenbrock (Köln) verwandelt das Gebäude mit einer multimedialen Installation, die aus schwarz-weißen Lichtprojektionen und einem Klangstrom besteht. Licht und Klang erfassen den Raum und machen den Besuch zu einer immersiven Erfahrung.
© Gudrun Barenbrock
Gefördert durch:



Scheibe & Güntzel – PRESERVED // Der Garten der Synagoge: Ein prozesshaftes Kunstprojekt in und um den Garten der alten Synagoge in Lippstadt 2024
„Der Garten hinter der ehemaligen Lippstädter Synagoge wird 2024 zum Sehnsuchts- und Zufluchtsort des Künstler*innen-Paares Scheibe & Güntzel. Er wird zur Bühne, zum Experimentier- und Recherchefeld. Der Garten wird zum Ausgangsort für gedankliche und künstlerische Experimente. […] Im Rahmen der STADTBESETZUNG des NRW Kultursekretariats Gütersloh wird der Garten der Synagoge zum Ausgangspunkt für künstlerische Streifzüge durch die Stadt. […]
In einer Recherchephase im Frühjahr 2024 beschäftigen sich Scheibe & Güntzel mit der Frage, ob es eine westfälisch-jüdische Gartenkultur gab. Was wurde in jüdischen Hausgärten angebaut? Gab es Unterschiede zur Kultur in Gärten von Christen? Gibt es Pflanzen, die in der jüdischen Liturgie eine Rolle spielen, und welche Pflanzen kommen im jüdischen Kalender und an den Festtagen vor? Geplant ist unter anderem ein Besuch der Gärten der Diaspora im Jüdischen Museum in Berlin und eine Recherche im Archiv für Alltagskultur des LWL. Als Nachschlagewerk dient „Die Flora der Juden“ von Immanuel Löw, als Inspiration „Ein Jüdischer Garten“ von Itamar Gov. […]
Aus der Recherche, den Handlungen und Beobachtungen entwickeln Scheibe & Güntzel eine Reihe von Performances und Aktionen, die die Synagoge und den Garten samt Gartenhaus sowie die Lippstädter Altstadt bespielen. Geplant sind etwa sieben Aktionen. […] die genaue Ausarbeitung der Performances und Aktionen findet erst im Prozess der Recherche und Auseinandersetzung vor Ort statt.“
Abschlussveranstaltung des Projekts am 22. November 2024
Zum Abschluss ihres Jahresprojekts, das sich auf den Garten der ehemaligen Lippstädter Synagoge bezieht, geben Scheibe & Güntzel im Künstlergespräch Auskunft. Die einzelnen Aktionen bzw. Stationen des Projekts, die zwischen April und Oktober entstanden sind, werden im Kulturraum Synagoge noch einmal präsentiert:
- die wachsende Gartenskulptur "Waschbeton",
- das Pflanzobjekt "Der Garten der Diaspora der Diaspora" aus dem Gartenhaus,
- die Leuchtschrift/Performance "Schnittlauchbrot",
- Anzug und Kleid vom "Brombeerdruck",
- die diversen "Angesetzten",
- dokumentarische Videos.
Für Neugierige gibt es beim Künstlergespräch eine erste Verkostung der Schnäpse, die mit Früchten aus der Gartenskulptur und dem Synagogengarten angesetzt wurden: Rosenblätter, Brombeere, Minze/Zitronenmelisse, Haselnuss, Hagebutte u. a. m.
17 h Präsentation im Kulturraum Synagoge
18 h Künstlergespräch und Verkostung in der M. & S. Musikschule
Projekte & Termine
Waschbeton // 19. April, Synagogengarten
Der Garten der Diaspora der Diaspora // 19. April, Gartenhaus der Synagoge
Bitter // 20. April, Lippstädter Wochenmarkt
Schnittlauchbrot // 25. Mai, Synagogengarten
Angesetzte // 19. August, Synagogengarten
Brombeerdrucken // 7. September, Lippstädter Wochenmarkt
Künstlergespräch, Abschlusspräsentation & Verkostung // 22. November
Impressionen



Gefördert durch:





Dirk Raulf – heimat.kunden
„heimat.kunden“ wurde 2019 für das Jahr 2020 in zwei großen Teilen konzipiert: zum einen als mehrteilige Installation für den Stadtbereich, zum anderen als große begleitende Veranstaltungsreihe. Die Installation „heimat.kunden“ wurde von Dirk Raulf über die Jahre 2020 - 2022 realisiert und stellt somit indirekt auch eine Dokumentation der Covid-Krise und ihrer Auswirkungen auf das städtische Leben dar. Die Website - ursprünglich nur als ein Baustein von mehreren angedacht - wurde zur zentralen Anlaufstelle und Dokumentation des Projekts: heimat.kunden
Nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich schlugen sich die Auswirkungen der Corona-Krise nieder. Typische Klänge einer Stadt wie Lippstadt wie z. B. Schützenfeste, Chorproben, Gastronomie fielen 2020/21 aus oder fanden nur sehr eingeschränkt statt. Die Sammlung von Fotografien in Lippstadt dokumentiert z. T. eine Leere des städtischen Raums, die für 2020 kennzeichnend war. Das städtische Leben hatte sich zurückgezogen; das hat im Projekt überall Spuren hinterlassen. Notwendig wurde aber auch, die fotografischen Motive und Klänge hauptsächlich im Außenraum zu finden, ganz einfach deshalb, weil Innenräume entweder gar nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung standen.
Zwei Ereignisse, die sich im Laufe des Projekts ergaben, verdienen besondere Erwähnung:
1. Die Wiederentdeckung der ehemaligen Synagoge als Ort für Kunst und Kultur.
Im Rahmen von „heimat.kunden“ wurde nicht nur die Geschichte des Ortes noch einmal präsent. Es war möglich, die Synagoge komplett in Augenschein zu nehmen, und auf Initiative von Dirk Raulfs „heimat.kunden“ fand - in Zusammenarbeit mit dem Historiker Prof. Jürgen Overhoff, der Stadt Lippstadt, dem Stadtmuseum, der KWL, dem Stadtarchiv, dem Bauhof u. v. a. - am 20. September 2020 (also in der kurzen Phase zwischen Lockdowns) erstmals ein „Tag der Offenen Tür“ in der Synagoge statt mit Führungen, Vorträgen, Lesungen, Konzerten. Eine Sensation in Lippstadt. Die Strahlkraft dieser ersten Veranstaltung war so groß, dass auch 2021 Veranstaltungen in der Synagoge durchgeführt wurden und sich schließlich Anfang 2022 der „Kulturraum Synagoge Lippstadt e. V.“ gründete, mit zahlreichen, auch prominenten Mitgliedern und Unterstützern aus Lippstadt, aber auch bis Köln, Hamburg oder Berlin.
2. Die ursprünglich nicht geplante Ausstellung des Projekts 2021 in der Städtischen Galerie im Rathaus.
Aufgrund der Begeisterung für das Projekt, aber auch angesichts der eigenen eingeschränkten Ausstellungsmöglichkeiten unter Corona-Bedingungen erhielt Dirk Raulf das Angebot, „heimat.kunden“ in einer großen, multimedialen, repräsentativen Schau in der Städtischen Galerie im Rathaus zu präsentieren. Auf diese Weise wurde ein Weg gefunden, große Teile des Projekts in einer anderen Form als geplant der Öffentlichkeit zu präsentieren: Texte als Projektionen in Kombination mit Lippe-Videos, Fotosammlungen als Dia-Shows und sogar als Deckengestaltung der Räume in Form von Lichtfolien, das Lippstädter Klang-Archiv als Klanginstallation in allen Räumen, die „Heimat-Bibliothek“ in Präsenz und sogar eine Reihe von „physischen“ Fundstücken in Vitrinen, darunter z. B. Teile eines alten Fahrrads der Marke „Vaterland“, eine verwitterte Grabharke vom jüdischen Friedhof, Gegenstände aus dem Lippstädter Sperrmüll und Hinterlassenschaften aus einem Abbruchhaus.
Den Abschluss des Projekts "heimat.kunden" bildete das Lichtkunstwerk „headlight“, ein aus der maritimen Technik stammender Suchscheinwerfer, der wie zufällig über die Wasserfläche streicht, überraschende, oft mehrfache Reflexionen hervorruft und Assoziationen entstehen lässt von Verfolgen, Suchen, Kontrollieren, Aufspüren, Erleuchten, Durchdringen, Markieren.



