„Wir sehen was, was du nicht siehst…“ – Naturfotografie in der Kulturlandschaft

 

 

Ausstellung in der Galerie „Hof-Scheer“ in Lippstadt- Hellinghausen

Fotografien von Reinhold Lodenkemper und Peter Hoffmann

Ausstellungseröffnung: Freitag, den 27.4.2018 um 19 Uhr

 

Der Titel der Fotoausstellung des Naturschutzbundes NABU-Kreis Soest aus Lippstadt kann durchaus provozieren. Reinhold Lodenkemper und Peter Hoffmann sind seit über 25 Jahren für den Naturschutzbund NABU ehrenamtlich aktiv. Neben der Arbeit im Verbandsvorstand leisten sie die sog. fachliche Betreuung der Naturschutzgebiete „NSG-Zachariassee“ und „Esbecker Tonkuhle“. Beide Schutzgebiete sind in ihrer Art einmalige Refugien, in der sich die arg bedrängte Artenvielfalt wieder ausbreiten konnte. Das Schutzgebiet um den Zachariassee in Lipperode ist mittlerweile über 140 ha groß und überrascht die Fachleute durch seine Biotopvielfalt. Hier findet man trockene Sandflächen, nasse Wiesen, ursprüngliche Heideflächen, mageres Grünland mit wilden Orchideen, kleine Feldgehölze, Tümpel und große Weiher und natürlich den 33 ha großen See mit seiner Insel. Weit über 200 (!) verschiedene Vogelarten haben die Ornithologen hier bisher beobachtet. Die Vielfalt wechselt über die Jahreszeiten und auch langfristig hat es Veränderungen im Artenspektrum gegeben. „Es ist einfach spannend, das zu beobachten“, so Peter Hoffmann.

Was bedeutet es eigentlich, ein Naturschutzgebiet zu „betreuen“? Der Duden erklärt den Begriff folgendermaßen: „…vorübergehend in seiner Obhut haben, in Obhut nehmen; für (-) etwas sorgen, ein Sachgebiet o. Ä. fortlaufend bearbeiten; die Verantwortung für den Ablauf von etwas haben…“ Das trifft es ziemlich genau in allen Punkten. Das „Sachgebiet“ ist hier ein Landschaftsausschnitt, den wir in Obhut haben. Diese „Inobhutnahme“ ist durch die zuständige Naturschutzbehörde beim Kreis Soest auf den NABU übertragen worden. „Wir machen das im Auftrag des Kreises Soest, unsere Aufgaben sind vertraglich geregelt. Ebenfalls dazu gehört auch die Verwaltung von 10ha Grünland im Eigentum der Nordrhein-Westfalen-Stiftung“, erläutert der Kreisverbandsvorsitzende Hoffmann.

Mitunter stellen wir uns schon die Frage, wie wir uns hier eigentlich engagieren und wie unsere Nachfahren die Aktivitäten um den Artenschutz beurteilen. „Wir können unser Handeln immer nur aus unserer stark verkürzten Perspektive beurteilen und hoffen, dass wir auch langfristig das Richtige machen“, so Peter Hoffmann über die Betreuungsarbeit. Dies hat durchaus Ähnlichkeiten mit dem Landschaftsgartenbau; denn Natur im Sinne von Unberührtheit gibt es hier nirgendwo mehr.

Alles ist Kulturlandschaft: der See ist künstlich, die Flachufer werden frei gehalten, die Wiesen werden jährlich gemäht, Gehölze werden geschnitten oder sogar gefällt. Lediglich die Zielsetzung unserer „fortlaufenden Bearbeitung“ ist eine andere als bei den Landschaftsgärtnern. Uns geht es nicht um Ästhetik, sondern um Erhalt und auch Neuanlage von Lebensraumtypen, die in der landwirtschaftlich intensiv genutzten Kulturlandschaft schon lange verschwunden sind.

Im Rahmen dieser Betreuungsarbeit suchen Peter Hoffmann und Reinhold Lodenkemper natürlich auch Bereiche auf, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Und hier können sie einer weiteren, gemeinsamen Leidenschaft nachgehen, nämlich der Fotografie. Während R. Lodenkemper vorwiegend mit Teleobjektiven den erforderlichen Abstand zu seinen Entdeckungen einhält, konzentriert sich P.Hoffmann eher auf die Darstellung des Kleinen und Allerkleinsten. Seine Werkzeuge sind Makroobjektiv und Mikroskop.

„Uns war es immer ein Anliegen, die Menschen in irgendeiner Form an diesen Schutzgebieten teilhaben zu lassen“, so die Gebietsbetreuer. Daher gibt es am Seeufer eine kleine Aussichts-und Beobachtungshütte. Darüber hinaus soll diese Fotoausstellung Entdeckungen und Eindrücke vermitteln, die den meisten unter uns sonst sicherlich verborgen geblieben wären.

 

Galerie „HOF-SCHEER“, Gieselerweg 26, 59556 Lippstadt

Ausstellungszeitraum: bis Mitte August.

Begrüßung: Veronika Scheer-Gerken sowie Vertreterin / Vertreter der NABU-Landesgeschäftsstelle

Einführung in die Ausstellung: Antje Prager-Andresen (Künstlerin)

Begleitprogramm: Lutz Gerlach (Komponist, Pianist, lgm-records)