„So oder so“ ist das Leben

„So oder so“ ist das Leben

9. Juni 2021 Aus Von Anna-Sophie Renning

Inszenierung von und mit Gilla Cremer widmet sich der Diva Hildegard Knef

Als „Die Sünderin“ in Willi Forsts Film ging Hildegard Knef 1951 in die Geschichte des deutschen Nachkriegsfilms ein. Ihr Leben war gezeichnet von den Höhen und Tiefen eines Filmstars, der sich immer wieder neu erfand. Die Inszenierung „So oder so“ von und mit Gilla Cremer widmet sich am Mittwoch, 16. Juni, ab 20 Uhr im Stadttheater der Schauspielerin, die vielen als unbequem auffiel.

Cremer führt den Zuschauer durch Stationen aus dem Leben der Knef. Sie spielt, erzählt, tanzt, und singt sich durch ihre kurvenreiche, außergewöhnliche Biografie, die geprägt war von einer Kindheit beim Großvater, dem Theater, der Entdeckung für den Film noch zu Kriegszeiten, der Nacktszene in „Die Sünderin“, von Hollywood, Skandalen, Brustkrebs, Büchern, Chansons und drei Ehemännern. Es ist ein Leben, das für drei gereicht hätte. Cremer lässt ihr Publikum daran teilhaben – am Glück und am Schmerz, den Erfolgen und Tiefen zwischen der „wilden Hilde“ und „unserem Hildchen“.

Die Inszenierung (Regie: Hartmut Uhlemann) zeigt eine unbequeme und ungehorsame, aber auch unerschrockene und extrovertierte Knef, die sich selbst inszenierte, für Klatsch-Geschichten sorgte und mit zynischem Humor auffiel. Cremer arbeitet auch den Menschen heraus, der ängstlich ist und verzweifelt, der öffentlich über den Brustkrebs und Schönheits-OPs sprach. Sie bringt Verständnis auf für einen Star seiner Zeit und eine Frau, die ihrer Zeit voraus das Frauenverständnis und die Freiheit für sich neu definierte und im Prozess der Selbst(er)findung und Selbstdarstellung sicherlich auch gerne falsch verstanden wurde. Dabei hinterließ die Chansonniere mit der tiefen Stimme Evergreens wie „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ oder „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“.

Auch ihre Musik ist zu hören, am Mikrofon mit Gilla Cremer und am Klavier mit Gerd Bellmann.

„So oder so” ist eine Liebeserklärung an eine vielseitig begabte Künstlerin, eine wirkliche Entdeckungsreise für alle, die „die Knef” als Klatsch- und Schlagertante verbucht hatten. Es ist ein bewegender Abend für ihre Verehrer und eine ungewöhnlich unterhaltsame Lektion in deutscher Geschichte. Nach der umjubelten Premiere 2004 in Hamburg regnete es Rosen aus dem Publikum. „Ein Abend, der großes Theatersolo und intime Chanson-Interpretation miteinander verquickt“, schrieb die Hamburger Morgenpost damals.

Termin: Mittwoch, 16. Juni 2021, 20 Uhr

Ort: Stadttheater Lippstadt

Preise: € 20,-

Veranstalter: KWL Kultur und Werbung Lippstadt GmbH In Kooperation mit dem Gleichstellungsbeirat der Stadt Lippstadt

Kartenverkauf: Kulturinformation Lippstadt im Rathaus, Lange Str. 14, 59555 Lippstadt, Tel. (0 29 41) 5 85 11, post@kulturinfo-lippstadt.de; Mo – Fr 10 – 18 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr und online über Vibus-Ticket.

Foto: Arno Declair