Im Stadtmuseum entdeckt

Kaffeekanne Heinrich Georg Schütteler, Lippstadt, 1722 – ca. 1780 Silber, getrieben, gegossen, punziert, Holzgriff, 22,3 cm
Kaffeekanne
Heinrich Georg Schütteler, Lippstadt, 1722 – ca. 1780
Silber, getrieben, gegossen, punziert, Holzgriff, 22,3 cm

Nur durch eine „konzertierte Aktion“ von Volksbank Lippstadt eG, Förderverein des Museums, Museumsbesucher und unter Einsatz des Museumsjahresetats konnte 1992 eine der in des Wortes doppelter Bedeutung glänzendsten Erwerbungen getätigt werden, der Ankauf des bislang schönsten profanen Silbergeräts des 18. Jahrhunderts mit Lippstädter Provenienz.
Die 396 Gramm wiegende Kanne trägt unter dem Boden die Lippische Rose als Stadtbeschau, kombiniert mit dem „Lötigkeitszeichen“ 12, und die Meistermarke „HGS“. Sie steht für Heinrich Georg Schütteler (auch Schöttler), geboren 1743 in Warburg als Sohn eines Advokaten, der 1772 Lippstädter Bürger wurde, „Goldschmied von Profession, catholischer Region“. Er heiratete 1773 und verstarb hier 1818.
Silberne Kaffeekannen kamen in Deutschland gegen 1700 mit der Verbreitung des Luxusgetränkes auf, das zunächst für eine hochgestellte Minderheit reserviert blieb, etwa seit der Jahrhundertmitte auch für das Bürgertum erschwinglich wurde. Augsburg, Hauptort der Silberproduktion im Deutschen Reich, blieb mit ungefähr der Hälfte aller Kannen im 18. Jahrhundert marktbeherrschend. Diese Kanne mit Scharnierdeckel und plastischem Knauf aus Eichel, Feigen und Pinienzapfen ist in ihrer Formgebung mit den körpergliedernden geschwungenen Zügen, ihrer stilistischen Ausgewogenheit und handwerklichen Qualität den Augsburger Erzeugnissen, an deren Formgebung sie sich anschließt, durchaus ebenbürtig. Dass die Kanne im zur Entstehungszeit bereits „altväterlichen“ reinen Rokokostil erglänzt, ist nicht auf kunsthandwerkliche Rückständigkeit zurückzuführen, sondern auf die noch im beginnenden Klassizismus anhaltende Beliebtheit dieser Gefäßform, auch in größeren Städten, wie z. B. Braunschweig oder Münster. Schütteler, mit der Kanne also durchaus auf der Höhe seiner Zeit, musste sich später offensichtlich der wenig anspruchsvollen Nachfrage in seinem Wirkungsort anpassen, wie seine durchschnittlichen Erzeugnisse (Schuhschnallen und Kaffeelöffel, ebenfalls im Besitz des Museums) belegen.

Quelle: Bildführer, Städtisches Heimatmuseum Lippstadt, Ulrich Becker

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