„Bella Figura“ – Eine beißende Gesellschaftskomödie von Yasmina Reza

„Bella Figura“ – Eine beißende Gesellschaftskomödie von Yasmina Reza

28. Februar 2018 Aus Von Lara Feid

„Eine beißende Komödie der Peinlichkeit“ nennt der Starkritiker Gerhard Stadelmaier Yasmina Rezas neuestes mit Wortgefechten und Beziehungskriegen gespicktes Stück (FAZ, 18.5.2015). – Zu Recht!

 Das Stück handelt von einer Seitensprung-Beziehung hinter der gepflegten Fassade einer bürgerlichen Ehe: Auf dem Parkplatz vor einem Restaurant diskutiert ein Paar hitzig. Eigentlich hatte Boris (Heio von Stetten), erfolgreicher Glasereiunternehmer, mit seiner Geliebten Andrea (Julia Hansen), einer Pharma-Assistentin und alleinerziehenden Mutter, ein romantisches Seitensprung-Dinner mit anschließendem Hotelbesuch im Sinn. Doch schon vor dem Essen manifestiert sich die Beziehungskrise der beiden in einem handfesten Streit. Und dann fährt Boris beim Ausparkmanöver auch noch eine ältere Dame (Doris Kunstmann) um. Zwar scheint diese unverletzt, doch entpuppt sie sich als die Schwiegermutter von Françoise (Susanne Steidle), der besten Freundin von Boris‘ Ehefrau. Rasch ist Françoise selbst mit ihrem Mann Eric (Christopher Krieg) zur Stelle. Mit boshaftem Hintersinn schlägt Andrea vor, gemeinsam zu Abend zu essen. Unfall und Schreck lassen Boris keine andere Wahl, als sich darauf einzulassen. Derweil kocht der Streit zwischen Andrea und Boris unterdrückt weiter und bald haben die Tischgenossen erkannt, welcher Natur die Beziehung der beiden ist. Zugleich tritt zutage, dass Boris‘ Firma aufgrund unüberlegter Investitionen kurz vor dem Bankrott steht. Die penibel gepflegte bürgerliche Fassade als geschäftstüchtiger Unternehmer und liebender Ehemann bröckelt – und bricht schließlich lautstark in sich zusammen:

Yasmina Rezas bitter-unterhaltsame Szenen aus der Paar- und Gesellschafts-Hölle zeigen aufs Schönste, wie die mühsam aufrecht erhaltene Fassade des guten Benehmens zu bröckeln beginnt. Und so entfaltet sich hier – zum Amüsement der Zuschauer – eine perfekt gebaute Komödie des eskalierenden Horrors. Begonnen hat der globale Yasmina-Reza-Hype wohl mit der Komödie „KUNST“. Seitdem gehören die geistreichen Gesellschaftskomödien der französischen Autorin – „Der Gott des Gemetzels“, „Drei Mal Leben“ etc. – ohne Zweifel weltweit zum Besten, was das zeitgenössische Theater zu bieten hat.

Am Mittwoch den 7. März bekommt das Publikum auch im lippstädter Stadttheater einen Einblick in das Stück der französischen Schriftstellerin. Um 20 Uhr beginnt die Aufführung und dauert ca. 1 Stunde 55 inklusive Pause.

Bereits um 19.15 Uhr gibt es zu dieser Veranstaltung eine Stückeinführung im Zuschauerraum mit Linda Keil.

 

 

 

Karten sind in der Kulturinformation Lippstadt im Rathaus, Tel. (0 29 41) 5 85 11 und, soweit noch vorhanden, an der Abendkasse erhältlich.