Markus Werner ist vor einem Monat gestorben – 1. Thomas-Valentin-Preisträger

Am 03. Juli 2016 ist in Schaffhausen der Schweizer Schriftsteller Markus Werner verstorben. Über den 1. Preisträger des Thomas-Valentin-Preises der Stadt Lippstadt schreibt Alfred Kornemann, ehrenamtlicher Leiter des Städtischen Kunst- und Vortragrings:

Über Max Frisch hatte er promoviert und wurde dann zusammen mit ihm und Friedrich Dürrenmatt zur entscheidenden literarischen Stimme der Schweiz: Markus Werner, der am 03. Juli in Schaffenhausen im Alter von 71 Jahren verstarb: Im Rahmen des ersten Lippstädter Wortfestivals 1993 war er in Lippstadt zu Gast. Die Stadt hatte den Literaturpreis in Erinnerung an den Lippstädter Autor Thomas Valentin verliehen. DIe Wahl der Jury war nach intensivem Auswahlverfahren auf Markus Werner gefallen, und damit war er der erste Thomas-Valentin-Preisträger… Er hatte schon zwei sehr erfolgreiche  Romane geschrieben, las in Lippstadt aus seinem dritten „Bis Bald“, der gerade erst erschienen war. Es war ein schmaler, sehr zarter, am Beginn sehr scheuer, recht stiller Autor, den ich in Lippstadt empfangen konnte. Seinen hintergründigen Humor erlebten wir dann zu Hause, wo meine Frau seine Scheu aufbrechen konnte. Es war dann dieser Humor, der ihn etwas distanzierten Empfang durch den Rat der Stadt verstehen ließ. Es war ja schließlich eine Premiere solcher Veranstaltungen.Im Rathaussaal las er dann aus seinem Roman „Bis Bald“, sehr zurückhaltend, aber nachdrücklich und in jedem Moment fesselnd. Hier sprach ein Autor, der alles überflüssige vermied und damit die Lesermitwirkung einforderte. Das Geheimnis seines Textes lag gerade in dem Nichtgesagten, das in sehr streng gebauter Sprache Menschen hinter der Fassade zeigte, ohne sie jemals bloß zu stellen. Sie versuchen aus ihrem Leben auszubrechen, um dann, ohne umstürzende Erfahrungen gemacht zu haben, als Verwandelte zurückkehren. Die Behutsamkeit des Umgangs mit seinen Protagonisten war auch Ausdruck des Lebensverständnisses von Markus Werner selbst. Sein Roman „Festland“ wurde  von Marcel Reich-Ranicki im „Literarischen Quartett“ gefeiert, das freute ihn, so wie er sich mit aller Zurückhaltung über die kürzliche Verfilmung seines letzten Romans „Am Hang“ gefreut hätte… Mit Lippstadt habe er sich befreundet, sagte er. Nun haben wir hier einen liebenswürdigen Freund verloren.“

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