Im Stadtmuseum entdeckt

Inv.-Nr. 2917; Dreschflegel, das Stielende ist mit einer Eisenblechtülle versehen, darin läuft das drehbare Lederband (zur Schlaufe gebunden). Der Klöppel ist am Ende mit einer breiten Lederschlaufe versehen, durch die ebenfalls das drehbare Lederband verläuft. Auf der Lederschlaufe erscheint das Monogramm „W.N.“

Der Dreschflegel ist ein altes bäuerliches Werkzeug, das zum Dreschen des Getreides diente. Das vom Feld geerntete Korn wurde in die Scheune geschafft. Auf der Tenne, dem befestigten Boden der Scheune, wurde es ausgebreitet, und die Bauern schlugen mit den Flegeln nacheinander auf den Getreidehaufen ein. Dabei stimmten sie sich aufeinander ein, um den richtigen Takt zu finden.
Das Wort Flegel ist ein romanisches Lehnwort (lat. flagellum) und vermutlich aus dem Römischen Reich in den germanischen Sprachraum gelangt.
Der Dreschflegel (ursprünglich waren dies einfache Stöcke mit dickerem Ende) besteht aus einem hölzernen Stiel, an dem, mittels eines beweglichen Bauteils (oft aus Leder), der eigentliche Flegel befestigt ist. Dieser ist ein ca. 6 – 8 cm dicker, grob bearbeiteter Holzprügel aus Hartholz. Mit dem Stiel wurde der gesamte Dreschflegel so durch die Luft geschleudert, dass die vorne angebrachte Keule mit großer Kraft auf die am Boden liegenden Getreidebündel aufschlug. Üblicherweise waren die Scheunen mit Tenne so beschaffen, dass man sie auf zwei gegenüberliegenden Seiten öffnen konnte. Dann konnte der Herbstwind „durchfegen“. Mit dem Flegel schlug man also auf das Getreide ein, die schweren Körner fielen zu Boden, die leichten Anteile, Stroh und Spreu, wurden vom Wind über die Tenne hinweggefegt. Die Spreu von den Körnern zu trennen, war schon schwieriger. Die Bauern legten Körner und Spreu in einen flachen Korb, die Worfel. Mit der Worfel, die nun als Sieb diente, warfen sie beides hoch. Der Wind blies die leichtere Spreu zur Seite weg, und die Körner fielen in die Worfel zurück. Wenn dies mehrere Male wiederholt wurde, befanden sich zum Schluss nur noch Körner in der Worfel. Auf diese Weise konnte das so gewonnene Getreide später in einer Mühle zu Mehl weiterverarbeitet werden.
Da der Dreschflegel eine enorme Schlagkraft entwickeln kann, wurde er im Mittelalter oft als einfache Bauernwaffe verwendet. Die meisten Bauern kämpften im deutschen Bauernkrieg auch mit dieser „Waffe“. Während der Hussitenkriege gehörten Dreschflegel zu den bekanntesten und effektivsten Waffen.
Der aus den asiatischen Kampfkünsten bekannte Nunchaku ist ebenfalls ein Dreschflegel, den die Bauern auf Okinawa (Japan) zum Reis-Dreschen verwendeten. Der Nunchaku, ist ebenso eine der traditionellen Bauernwaffen im Kobudō (japanische Kampfkunst). Bekannt geworden ist er in der westlichen Welt durch die Handhabung Bruce Lees (bekannter Kampfkünstler und Schauspieler). Möglicherweise haben sich aus diesem Provisorium später der Streitflegel und/oder der Morgenstern entwickelt.
Ein Flegel, im auf eine Person übertragenen Sinn, ist jemand, der rücksichtslos verbal leeres Stroh drischt oder sich nach Ansicht vieler anderer Personen den üblichen Verhaltensformen zuwider benimmt.

Und zu guter Letzt
Wilhelm Busch

Nicht artig
Man ist ja von Natur kein Engel,
Vielmehr ein Welt- und Menschenkind.
Und ringsumher ist ein Gedrängel
Von solchen, die dasselbe sind.
In diesem Reich geborner Flegel,
Wer könnte sich des Lebens freun,
Würd‘ es versäumt, schon früh die Regel
Der Rücksicht kräftig einzubleun.
Es saust der Stock, es schwirrt die Rute.
Du darfst nicht zeigen, was du bist.
Wie schad, o Mensch, dass dir das Gute
Im Grunde so zuwider ist!

Bleiben Sie neugierig!

Wir sehen uns,

Ihr

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