Im Stadtmuseum entdeckt

Kornmaß; Lippstädter Gemäß, flaches zylindrisches Holzgefäß mit zwei stabilen waagerechten Henkeln und Abstrichsteg (gestrichen voll), auf dem Boden zwei übereinanderliegende Eisensterne zur Verstärkung. Brandstempel „WN“

Nach dem Sturz der französischen Monarchie 1789 schaffte die Nationalversammlung in Frankreich die von Gebiet zu Gebiet verschiedenen Maßsysteme ab. Diese wurden 1795 einheitlich durch das metrische System ersetzt. 1870 bis 1872 wurde in Deutschland das einheitliche Maßsystem übernommen. Das Meter ist der zehnmillionenste Teil der Entfernung vom Pol zum Äquator. Unterteilungen und das Vielfache des Meters entsprechen dem Dezimalsystem und werden durch griechische oder lateinische Vorsilben bezeichnet. Gewichtseinheit ist das Gramm.

Der Scheffel ist ein altes Raummaß, das zur Messung von Schüttgütern benutzt wurde und deshalb auch Getreidemaß genannt wurde. Die Größe eines Scheffels war sehr unterschiedlich.

Beispiele:

Bezeichnung Rauminhalt in Liter
Berlin, Preußischer Reichsscheffel                        54,91
Hamm in Westphalen, alter Scheffel                        61,23
Herford in Westphalen, alter Scheffel                        43,14
Lemgo und Fürstentum Lippe, Scheffel                        36,25
Minden in Westphalen, alter Stadtscheffel                       58,52
Münster in Westphalen, Scheffel                       23,25
Paderborn in Westphalen, alter Kreuzscheffel                       41,91
Preußen, wie Berlin
Soest in Westphalen, Scheffel                       29,43
Unna, Stadt in preuß. Westphalen, alter Scheffel                       51,00

Der vierte Teil des Scheffels wurde Fehrt, Fehrd oder Viert/Viertel/Vierfaß genannt. Es war das sog. Sipmaß, das Siebmaß. In Oberfranken wurde der Vierte Teil des Scheffels als Sümer bezeichnet. Dieser wiederum teilte sich in 14 Metzen oder 2 Malter, wobei 1 Malter wiederum als ½ Sümer bezeichnet wurde.

Schon im Mittelalter wurde der Scheffel als Raummaßeinheit verwendet. Der Rauminhalt des Scheffels schwankte jedoch nach Land und Region. In Preußen löste der Scheffel ab dem 1. Januar 1818 das Ringel als Maßeinheit ab.

Gleichzeitig galten für den Scheffel bestimmte Mindestgewichte. So galten z. B. folgende Mindestgewichte eines Scheffels in preußischen Pfund: Hafer 45 ½ preußische Pfund, Mehl 75 preußische Pfund, Gerste 55 ½ preußische Pfund, Weizen 85 ½ preußische Pfund, Hülsenfrüchte 90 ½ preußische Pfund und Kohlen 100 preußische Pfund. Das preußische Pfund entsprach seit dem 1. Juli 1858   500 Gramm.

Wir kennen alle die Redewendung: Ein Licht unter den Scheffel stellen.

Diese Redewendung stammt aus der Bibel. In Jesus‘ Bergpredigt wird gesagt, man zünde „auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind“ (Matthäus 5:14). Ein Licht, welches unter einem Scheffel steht, kann nicht leuchten und es nichts zu sehen. In Bezug auf gute Taten der Menschen sagt Matthäus auch: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5, 14-16).

Die deutsche Redewendung „sein Licht unter den Scheffel stellen“ leitet sich von diesem Gleichnis ab und bedeutet, seine Fähigkeiten nicht einzusetzen, sie sogar zu verbergen.

Eine unerwartete Rezeption erfuhr das Gleichnis durch die Kritiker der Lutherbibel in der Revision von 1975, die sich ihrer Ansicht nach zugunsten einer moderneren Sprache zu sehr von gewohnten Begriffen abwandte. Der Scheffel wurde hier durch „Eimer“ ersetzt, was der Revision den Spottnamen „Eimertestament“ einbrachte. Dies führte dazu, dass das Neue Testament in dieser Fassung nicht gedruckt und erneut überarbeitet wurde.

Bleiben Sie neugierig!

Wir sehen uns,

Ihr

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