Im Museum entdeckt

 

Waschbrett aus Holz. Schmales rechteckiges Holzbrett, 4 cm dick, unten, wo das Holz im Zuber stand, noch dicker. Auf der Oberfläche sind Rillen gezogen. Kräftiger Stiel mit rundem Querschnitt. Auf der Rückseite ist die Jahreszahl "1851" eingeritzt.
Waschbrett aus Holz. Schmales rechteckiges Holzbrett, 4 cm dick, unten, wo das Holz im Zuber stand, noch dicker. Auf der Oberfläche sind Rillen gezogen. Kräftiger Stiel mit rundem Querschnitt. Auf der Rückseite ist die Jahreszahl „1851“ eingeritzt.

Das Waschbrett in der Museumsküche zwischen den Fenstern links hängend, erzählt uns heute stumm die Geschichte des Wäschewaschens und damit auch die Geschichte über die mühevolle Arbeit der Hausfrauen bis zur Erfindung der Waschmaschine.

Die Wäsche wurde noch bis zum Beginn des 20. Jh. von den Hausfrauen in kräftezehrender u. gesundheitsschädigender Handarbeit gewaschen. An den Händen war diese schwere Arbeit abzulesen. Sie waren geschwollen und die Haut aufgesprungen.
Welche Schinderei den Frauen am Großwaschtag zugemutet wurde, wird in dem von der Firma Miele 1999 herausgegebenem Buch „100 Jahre im Spiegel der Zeit“ eindrucksvoll beschrieben:
„Der aufwendigste Teil der Hausarbeit ist um die Jahrhundertwende – wie seit eh und je – das Wäschewaschen. Die Tortur des kräftezehrenden Großwaschtags ist in den allermeisten Haushalten jedes Mal die gleiche – für die heutige Generation unvorstellbar:

  • Am Abend zuvor Schmutzwäsche sortieren nach Weiß-, Bunt- u. Wollwäsche.
  • Brennmaterial für die Beheizung des Waschtopfs oder Waschkessels heranschaffen.
  • Wäsche sortiert (außer Wollwäsche) in Waschbottichen mit Soda einweichen u. über Nacht stehen lassen.
  • Am Waschtag in aller Frühe in den Waschkessel Wasser einfüllen u. im Waschkessel Holz- u. Kohlenfeuer anzünden.
  • Eingeweichte Wäsche auswringen, einseifen u. Flecken herausbürsten.
  • In den Waschkessel Waschpulver einfüllen u. vorbehandelte, sortierte Wäsche hineingeben.
  • Kochbrühe mit Holzstab mehrmals umrühren, die Wäsche in der Lauge bewegen u. niederdrücken.
  • Nach dem Kochen die Wäschestücke herausnehmen u. einzeln auf dem Waschbrett rubbeln.
  • In der Waschwanne schwenken u. so oft das Wasser erneuern, bis es klar bleibt u. Wäschestücke zuletzt evtl. bläuen.
  • Bei einer Gelegenheit zum Bleichen die Wäsche, nach dem letzten Spülen ausgewrungen auf den Rasen legen, öfter mit Wasser besprengen u. wenden.
  • Gebleichte Wäsche auswaschen, schwenken, auswringen u. auf der Wäscheleine aufhängen.
  • Farbige Wäsche, die weder eingeweicht noch gekocht werden darf, in warmem Seifenwasser waschen u. in klarem Wasser schwenken, ebenfalls auswringen u. aufhängen.
  • Für Wollwäsche warmen Seifenschaum schlagen u. diese darin ausdrücken.
  • In ein oder mehrere klare Spülwasser geben, bis es klar bleibt, aufhängen bzw. liegend trocknen.
  • Waschkessel gründlich reinigen.

An die „große Wäsche“, die manchmal mehrere Tage dauert, schließt sich noch die anstrengende Arbeit des Bügelns oder Plättens bzw. Rollens oder Mangelns an. Dazu müssen die Wäschestücke sortiert, in Form gezogen, angefeuchtet u. zusammengerollt werden. Manche Teile wie Herrenhemden, Hemdkragen u. -manschetten, Tischwäsche, Schürzen sind vor dem Bügeln zu stärken, wozu rohe oder gekochte Stärke angerührt wird.
Als Folge der Knochen- u. Muskelarbeit am Waschtag nennen Frauen aus dieser Zeit bei Befragungen: Erkältungen durch den Wechsel von heißem Wasserdampf u. kalter Lüftungsluft, geschwollene, zerschundene Hände, wund vom Rubbeln am Waschbrett u. ständigen Hantieren in der Waschlauge, Sehnenscheidenentzündung vom Auswringen, Rückenschmerzen durch gebeugte Haltung, Unterleibserkrankungen vom schweren Heben.
Wäsche waschen war im bürgerlichen Haushalt des 18. Jh. ein mehrtägiges Großereignis, für das eigens Waschmägde angestellt wurden, wenn der Haushalt sich das leisten konnte. Sie wurden „ein wenig besser, als gemeine Taglöhnerinnen“ bezahlt. Da die Waschmägde mal in diesem, mal in jenem Haushalt aushalfen, bekamen sie einiges an Privatem mit, was den Ausdruck „klatschhaft wie Waschweiber“ erklärt.

Der mittelalterliche Waschplatz, die Wiege unseres heutigen Klatschverständnisses, ist zugleich sein Namensgeber. Wortgeschichtlich entstammt „Klatsch“ dem mittelhochdeutschen Wort „klatz“, das anfangs lautmalerisch „das helle, schlagende Geräusch durch das Aufschlagen von etwas Weichem, Schweren auf etwas Hartes“ bedeutete, also z. B. das Klatschen von nasser Wäsche gegen Steine. Noch heute verwenden wir den Begriff „klatschnass“. Ähnlich steht es um die Wortherkunft der Klatsch-Zwillingsschwester „Tratsch“. Laut Grimms Wörterbuch beschrieb das Wort im Mittelalter u. a. lautmalerisch das Geräusch von Wasser; auch hier also die Nähe zu den Feuchtgebieten. Und auch Tratsch ist deutlich belegt mit abwertenden weiblichen Begriffen wie „Tratschtante“ oder „Tratsche“.

Wenn die eingelaugte Wäsche aus den Waschküchen kochend heiß an die Öffentlichkeit des Waschplatzes gebracht und der Schmutz mit dem Waschbleuel herausgeschlagen wurde, klatschte es ununterbrochen und unüberhörbar. Wegen der schmutzigen Wäsche hat der Klatsch also im wahrsten Sinne Dreck am Stecken:
Der Schmutz und die Flecken stecken in seinem Wortstamm, zumal „klatz“ auch „feuchter Fleck“ oder „Schmutzfleck“ bedeutete.
Deswegen sind so viele Klatsch-Redewendungen mit Wäsche verbunden, vom „Gewäsch“ und der „schmutzigen Wäsche, die in der Öffentlichkeit gewaschen wird“ über Menschen, die „klatschen wie die Waschweiber“ bis zu Sprichworten wie „A Wasch und a Klatsch is bald gemacht“ oder „Was man heute der Wäscherin sagt, wird morgen auf dem Markt erzählt“. Entscheidend für die Wortgeschichte des Klatsches ist dabei erneut Martin Luther, der in besonderem Maße die Entwicklungen der deutschen Sprache prägte. In seiner Predigt vom 12. Nov. 1525 ließ er sich ausführlich über das fünfte Gebot aus und wetterte gegen das „mit dem Maule waschen“ und das teuflische „Dreckschlürfen“ der „wesschigen“ Mäuler.

Bleiben Sie neugierig!

Wir sehen uns,

Ihr

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